Rancagua 212.500 Einwohner (2005) Das wichtigste Zentrum dieses von der Landwirtschaft geprägten Landes ist Rancagua, die Hauptstadt der VI Region mit dem langen Namen „Libertador General Bernardo O'Higgins", meist kurz O'Higgins genannt. Die Provinz erhielt diesen Namen nicht, weil der Befreier O'Higgins hier seinen größten Sieg über die Spanier feiern konnte, nein, sie war der Ort der größten Niederlage. Anfang Oktober 1814 wurden O'Higgins und seine 1700 Mann im damaligen Villa Das Stadtzentrum Rancaguas ist überschaubar. Es ist schachbrettartig angelegt, und (fast) alles wichtige ist maximal einen Kilometer von der zentralen, baumbestandenen Plaza de los Heroes entfernt. In deren Zentrum, und somit im absoluten Mittelpunkt der Stadt, grüßt Bernardo O'Higgins hoch zu Ross. Am Südende der Plaza steht die Kathedrale der Stadt, die erst 1861 gebaut wurde. Rodeos Rancagua ist die Stadt der Rodeos. Jährlich Ende März/Anfang April, die genauen Termine schwanken von Jahr zu Jahr, finden hier die chilenischen Meisterschaften im Rodeo-Reiten statt, traditionell in einer halbmondförmigen Arena (medlaluna), deren Maße genau definiert sind: Der Radius muss 22,5 Meter betragen. Genauso festgelegt sind die Übungen, die Pferd und Reiter vollbringen müssen. Anders als beim bekannten nordamerikanischen Rodeo geht es nicht darum, wilde Tiere mit dem Lasso einzufangen und einige Sekunden auf ihnen zu reiten, sondern vielmehr mit dem eigenen Pferd Geschicklichkeit und gute Dressur zu beweisen. Für jede Übung werden Punkte vergeben, wer die meisten kassiert, hat gewonnen. Es beginnt mit einer Dressurübung: Schrittgang mit losem Zügel, angaloppieren aus dem Stand mit anschließendem Galopp durch die gesamte Arena, und dieser Galopp muss mit einem direkten Stillstand und einer Wende auf den Hinterbeinen abschließen, der nächste Galopp muss direkt folgen. All diese Übungen werden mehrfach wiederholt, dann, wenn das Pferd richtig aufgedreht ist, muss es stillstehen. Stillstehen, während der Reiter absteigt, einige Schritte macht, wartet und wieder zum Pferd zurückkommt - die ganze Zeit stillstehen, ohne auch nur mit einem Huf zu zucken. Danach müssen je zwei Reiter versuchen, einen aufgeputschten Stier nur mit dem Pferd, ohne Peitsche oder Lasso, an einen bestimmten Punkt in der Arena zu treiben. Die beiden müssen schnell und sicher mit ihren Pferden umgehen und gut zusammenarbeiten: Während der eine den Stier nach vorne treibt, muss der andere versuchen, ihn langsam schräg an den festgelegten Punkt an der halbmondförmigen Einzäunung zu drängen - alles im Galopp. Dabei ist nicht egal, wie das passiert. Es gibt Punkte für Stil und Aussehen: Der breitkrempige Hut darf natürlich nicht runterfallen, das weiße Hemd und der Poncho dürfen nicht verdrecken, die Stiefel werden vorher gewienert und die Sporen poliert. Auch darf nicht zu brutal mit den Pferden oder dem Stier umgegangen werden - Eleganz wird mit Pluspunkten belohnt. Die Sieger sind Helden – bei lokalen Rodeos für den Tag oder in ihren Dörfern, beim landesweiten Rodeo in Rancagua in ganz Chile. Schließlich wird das Spektakel auch im Fernsehen übertragen - dann fehlt aber die Atmosphäre: Es fehlen die Zuschauer mit ihren breitkrempigen Hüten, die Huasos die stolz ihre Stiefel, Sporen und Ponchos zeigen, das Wetten am Rande, und es fehlen die aufgeregten Pferde ebenso wie die stolzen Besitzer. Ober die nationalen Meisterschalten informiert die „Federacion de Rodeos de Chile' in Santiago; wer in dieser Zeit nach Rancagua fahren will, sollte sein Hotel vorher reservieren oder einen Tagesausflug in die Rodeohauptstadt unternehmen. |